Gesundheit Heute
Gesundheit ist längst zum sinnstiftenden Element unserer Gesellschaft geworden. Das Leben wird zur fortgesetzten Gesunderhaltungsbemühung. Ausbildung individueller Gesundheitskompetenzen, Selbstbestimmung und Einflussnahme der Patienten sind Bestandteil der Gesundheitspolitik. Ziel ist die partizipative Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient. Die Aktivierung der Patienten hat auch einen anderen Hintergrund. Durch die alternde Gesellschaft wird es immer mehr kranke und zu pflegende Menschen geben und dies bei knapper werdenden Kassen. Somit wird Gesundheit zur persönlichen Aufgabe, ja zur Bürgerpflicht.

Gesundheit im Netz
Immer mehr Menschen haben durch das Internet Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen, die früher in dieser Fülle nicht einmal Experten zur Verfügung standen. Dies führt auch zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse: der einstige Patient wandelt sich zum Power-Kunden, an die Stelle des hilfesuchenden Kranken tritt ein selbstbewusster „Prosument“. Größte Herausforderung für ExpertInnen ist die wirklich relevanten Informationen für den Patienten zu finden, und ihm die Übersetzung in das Alltagsverständnis zu erleichtern.

Die US-amerikanische TV-Erfolgsserie Dr.House macht deutlich, welche Rolle Medien in Gesundheitsaufklärung und Werbung übernehmen können. So wurde in den ersten vier Staffeln unverhältnismäßig oft die Diagnose Lupus angenommen - die sich dann jedoch immer als falsch erwies. Von Reinigungskräften, die diesen Verdacht äußern, über zweckentfremdete Bücher zu Lupus bis hin zu Special Features und Merchandising-Artikeln „It’s not Lupus“- die Diagnose war ein Running Gag. Und das mit einer so nachhaltigen Wirkung, dass der Autor und Produzent der Serie, David Shore, von der Lupus-Stiftung einen Award bekam, weil er das öffentliche Bewusstsein für die Krankheit gefördert hat. Einen anderen Effekt könnte Houses Medikamentenabhängigkeit gehabt haben: So wurden im April 2011 Zahlen veröffentlicht, dass noch nie mehr Vicodin verschrieben und eingenommen wurde. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Anzahl der Vicodin-Rezepte um 19 Millionen auf 131 Millionen jährlich an. So gefährlich das Medikament sein mag, es zeigt wie stark ein Handelsname für ein Präparat sich in den Köpfen der Menschen etabliert. House = das Schmerzmittel Vicodin.

Das Interesse für die eigene Gesundheit ist gut für die Betroffenen selbst und zahlt sich auch für die Gesellschaft aus. Es besteht allerdings eine Diskrepanz zwischen Gesundsein-Können und Gesundsein-Wollen. Gesundsein-Können bedeutet, dass Menschen bestimmte Kompetenzen benötigen, um gesund leben zu können, wie zum Beispiel gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung, soziales Miteinander. Gesundsein-Wollen scheitert häufig an der Organisation des täglichen Lebens, beispielsweise zu schnelles, hastiges Essen in der Mittagspause, sitzende Tätigkeiten etc. Gesundheit hat ihre individuellen Verursacher aber auch ihre systemischen Ursachen. Die Schlüsselfrage lautet: Wer kann am effektivsten Verantwortung für ein gesundes Leben übernehmen? Das ist der Einzelne, aber auch die Institutionen wie Staat, Arbeitgeber, Schule.

Moderne Zeiten
Die neuen Trendsetter sind die sogenannten Vorzeigegesunden. Sie definieren Krankheit nicht mehr als Schicksal, sondern als Schuld. Schuld sind am liebsten die unteren Ränder der Gesellschaft. Gesundheit wird zum Markenzeichen einer leistungsorientierten Gesellschaftselite. Die Individualisierung im ersten Gesundheitsmarkt ist einseitig ausgerichtet: die individuelle Befindlichkeit des Patienten wird ignoriert, aber sein individuelles Verhalten wird gesteuert. Gefordert ist eine individuelle, ganzheitliche Medizin, mit einer, auf den unverwechselbaren Menschen bezogene Gesundheitsversorgung. Sie ist öffentlich, weil Institutionen, Arbeitgeber, Städte und der Staat gesündere Lebens- und Arbeitswelten schaffen müssen. Die individuelle Medizin der Zukunft braucht das WIR.

Corporate Health – wird für Unternehmen zur Notwendigkeit
Viele Menschen fühlen sich überlastet im und durch ihren Beruf, gefördert durch die Verschmelzung von Freizeit und Beruf. Gesundheitspolitik der Unternehmen wird künftig zu einem Schlüsselfaktor erfolgreicher Geschäftsmodelle. Wohlfühlen erhöht die Produktivität und Entspannung steigert die Kreativität, diese Maximen müssen im Corporate-Health-Ansatz der Unternehmen fest verankert sein. Erst dann lassen sich Arbeitsorte auch als Healthy Workspaces gestalten.

Global denken und handeln – auch wenn es um Gesundheit geht
Global Health betrachtet die Gesundheit der Weltbevölkerung in ihrem globalen Kontext und beschäftigt sich mit den Erwartungen und Bedürfnissen der verschiedenen Nationen.

Im Jahr 2000 haben die Vereinten Nationen acht Entwicklungsziele formuliert, die bis 2015 erreicht werden sollen. 189 Länder, darunter auch Luxemburg, fühlen sich diesen Zielen verpflichtet. Diese Entwicklungsziele wurden unter dem Namen „Millennium Development Goals“ festgehalten. Zu den Schwerpunkten dieser Goals gehören unter anderem:
- die Zahl der Menschen, die von weniger als 1.25 US$ leben und an Hunger leiden, um die Hälfte zu senken,
- die Gesundheit von Müttern und Kindern zu verbessern,
- sowie AIDS/HIV zu verringern.

Dank dieser Millennium Development Goals war es Wissenschaftlern möglich die Entwicklungen der letzten Jahre einzuschätzen. Trotz weltweiter Finanzkrise sind die Armutsrate und die Zahl der Malariaopfer gesunken und Milliarden Menschen haben heute einen verbesserten Zugang zum Wasser.

Die globale Gesundheit wandelt sich rapide.
Gesundheitsuntersuchungen ergeben, dass der Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen nicht mehr nur ein Problem der Dritten-Welt ist. Auf der einen Seite bewegen sich immer mehr Menschen aus extremer Armut auf dem Weg hin zu mehr Wohlstand (wie z.B. in China, hier verringerte sich die Armutsrate von 60% auf 16%), und auf der anderen Seite werden wohlhabende Menschen immer ärmer (z.B. ist die Kindersterblichkeit in den USA höher als in Griechenland und die Lebenserwartung im Vietnam höher als in der Türkei.). Es entwickelt sich eine neue globale Mittelklasse, die sich zum ersten Mal ein Fahrrad oder einen Fernseher kaufen kann.

Neu entstehende Lebensweisen haben allerdings auch Auswirkungen auf aktuelle Krankheitsprofile: Die Fettleibigkeit bei Kindern zum Beispiel ist in Brasilien oder Russland höher als in Deutschland.

Insgesamt rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2020 mit einem rasanten Anstieg sogenannter Lebensstilkrankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes Typ II. Im Jahr 2008 kamen ca. 80% der an Lungenkrankheiten, Krebs und Diabetes verstorbenen Personen, aus ökonomisch schwachen Ländern. Für die Menschen in Afrika heißt das doppelte gesundheitliche Anstrengungen zu leisten, denn der Kampf gegen AIDS und Malaria ist nicht gewonnen.
Nur gemeinsame Anstrengungen können die Weltbevölkerung gesünder machen.

Welternährung als Basisproblem der Gesundheit
Die Welternährung und die Weltgesundheit liegen nicht weit auseinander. Die Gesundheit im 21. Jahrhundert bedeutet vor allem, dass bis zur Jahrhundertmitte ca. 9 Milliarden Menschen ernährt werden müssen. Die Antwort auf diese Herausforderung wird sein, mit möglichst wenig, möglich viel zu erreichen, bzw. zu produzieren.
Aber auch das Verbraucherverhalten in westlichen Industrieländern gehört auf den Prüfstand. Hierzu gehören vor allem der enorme Verzehr von Fleisch und die Verschwendung von Lebensmitteln.